Sandrosen



Die Moppeds werden gepackt und wir verabschieden uns von Faouzi. Das kleine Hotel "Karims Residence" ist wirklich zu empfehlen. Angenehme Besitzer und jederzeit einen Tip parat. Wir machen uns auf Richtung Douz. Die Entscheidung fiel auf die Straße über den Salzsee. Die Piste an der algerischen Grenze entlang war uns aufgrund des Sandsturms zu heiß...
Die Überfahrt über den Salzsee Jott El Jerid ist immer ein Erlebnis. See und Horizont verschmelzen zu einer Einheit und die Straße scheint ins nichts zu führen. Eine kleine Piste zweigt unterwegs zu einem alten Buswrack ab. Ob er sich verfahren hat?
In Douz beziehen wir schon zeitig den Campingplatz Desert Club. Als einzige Gäste. Es ist einfach schon "Nachsaison" hier und kein weiterer Tourist da. Naja, macht nix. Ne kurze Stärkung und wir sitzen schon wieder im Sattel. Nur mit Schlafsäcken im Gepäck wollen wir zum Sandrosen Erg fahren. Aber auch hier in Douz hat der Wind die Pisten derart verweht, das wir große Mühe hatten durchzukommen. Noch dazu war die Hauptpiste hinter El Faouar gesperrt. Es ging erstmal mindestens eine Stunde ins Land als wir eine kleines Dünenfeld durchqueren mussten. Schieben, ausbuddeln, rausheben und schwitzen, schwitzen, schwitzen...
Als die Sonne schon Sehr tief stand, entschlossen wir uns nicht mehr bis zu den Sandrosen zu fahren. Außerdem ist die Piste völlig versandet und verspurt. Im Schutz einer Düne bauten wir unser Nachtlager. Wir haben Kocher und Kaffee dabei, etwas zu Essen und Feuerholz ist auch schnell organisiert. Gemütlich geht der Abend zu Ende. Es herrscht Totenstille. Kein Stadtlärm, keine Autos, gar nix... Die Sonne tut ihr übriges als sie ihre Arbeit einstellt. Grandios hier draußen. Nur der Mond, der hat uns einen Strich durch den Sternenhimmel gemacht...
Gut geschlafen haben wir. Frisch ist der Morgen, es gibt Kaffee noch ehe die Sonne aufgeht. Aber dann haben wir ein nicht alltägliches Schauspiel erlebt: im Osten geht die Sonne auf und im Westen der Vollmond unter. Und das alles in tiefblauen Licht gefärbt. So können wir dem Mond sein nächtliches Sterneverdunkeln verzeihen...
Wir entscheiden uns für die Weiterfahrt zur Kameltränke und zu den Sandrosen. Das fahren am Morgen ist recht entspannt. Es ist nicht so heiß und wir brauchen auch nicht so viel Wasser wie tagsüber. In der Regel haben wir einen enormen Wasserverbrauch, jeder von uns genehmigt sich mindestens 3-5 Liter Wasser am Tag. Wir kehren um, fahren nach Douz zu unserem Campingplatz und überlegen uns die Weiterfahrt nach Ksar Ghilane. Ursprünglich wollten wir die Piste über das Café La Porte de Dessert nehmen und dann weiter am Nationalpark entlang bis zum Ksar. Uns macht aber die Versandung der Pisten große Sorgen. Vor allem mit unserem ganzen Geraffel auf den Motorrädern. Kurzum, wir probieren den weg bis zum Café aus. Alter Falter. Versandet und verspurt. Nun, wir schlagen uns bis zum Café durch. Klar, es ist geschlossen. Wieder einmal erhalten wir die Bestätigung das wir mit unserer Reisezeit voll daneben liegen. Vor allem in diesem Jahr. Wie auch bei uns, gab es hier einen vorgezogenen Sommer und je heißer es wird, um so feiner wird der Sand. Zu allem Überfluss kommt noch starker Wind dazu und versandet die Pisten, auf denen kaum noch jemand unterwegs ist. Aber wo wir schon mal hier sind, fahren wir trotzdem weiter zum Jebil Nationalpark.
Auf dem Rückweg kommen wir zum Schluss: wir drei Heinis sind weder in der Lage die Piste in diesem Zustand in ordentlichem Tempo, geschweige denn mit Gepäck zu fahren. Also gehts morgen außen rum auf Asphalt in die Oase Ksar Ghilane. Wenigstens siegt der Verstand und wir ackern uns zurück auf den Zeltplatz. Die Piste ist kaum wieder zu erkennen, der Wind nimmt zu und uns die Sicht. Nach nem kleinen Umfaller erreichen wir den Zeltplatz und lassen den Abend bei ein paar Bierchen ausklingen...
Aber eines muss ich mal am Rande bemerken: die Momente, in denen wir völlig erschöpft auf einer zugewehten Piste stehen und uns köstlich darüber amüsieren was wir hier überhaupt tun, sind einfach herrlich. In diesem Sinne: einen schönen Gruß nach Hause, vor allem an unsere kopfschüttelnden Frauen! Uns gehts gut und wir genießen das warme Wetter. Und das leckere tunesische Bier. Und die Palmen. Und das Moppedfahren. Und das leckere Essen. Und und und...